Wissen schadet nicht!


Februar 2017 

 

Versuch der Zusammenfassung eines Vortrags von Dr. Udo Gansloßer

(Das größte Problem bestand darin, die vielen Mosaikstückchen zu einem überschau-

baren Ganzen zusammen zu fügen.)

 

Noch vor 50 Jahren fraß ein Haushund, was bei Tisch übrigblieb. Heute ist ein regel-

rechter "Glaubenskrieg" darüber entbrannt, wie man seinen vierbeinigen Hausge-

nossen artgerecht zu ernähren habe: barfen, selbst kochen, Dosenfutter oder Trockenfutter geben,... Eine ganze Industrie hat sich dieser Sparte bemächtigt.

Zunächst einmal: Der Hund ist kein Wolf (mehr). Und selbst dieser nimmt nicht nur Fleisch zu sich, wenn er zum Beispiel ein ganzes Beutetier mit Haut und Haaren frisst.

Nachgewiesenermaßen hat sich das Verdauungssystem des Hundes im Verlaufe der Domestikation an einen höheren Anteil an Kohlenhydraten angepasst und kann sie problemlos nutzbar machen. Einen Hund vegetarisch oder gar vegan zu ernähren ist

zwar nicht unmöglich, aber sehr schwierig und mit Sicherheit nicht artgerecht. Vitamine etc. müssten dann auf jeden Fall zugefüttert werden und deren Berechnung ist mit schlimmsten belastenden Tierversuchen verknüpft, daher mit Sicherheit auch ethisch-moralisch bedenklich.

Entscheidend ist, was in den Hund kommt, nicht aber, in welcher Form es hinein kommt. Ungleichgewichte bei Mikronährstoffen können beim Hirnstoffwechsel Folgen haben, noch ehe Verhaltensprobleme auftreten. Mit Blutuntersuchungen kann hier (zunächst) nichts nachgewiesen werden. Der Körper versucht so lange wie eben möglich das Fehlen eines Stoffes auszugleichen, indem z. B. bei einem Calciummangel Calcium aus den Knochen mobilisiert wird - bis das System zusammenbricht.

Dann kann aber schon alles zu spät sein. Ebenso verhält es sich bei Allergien. Mit Sicherheit kann nur festgestellt werden, wogegen der Hund NICHT allergisch reagiert, positive Ergebnisse sind oft nicht aussagekräftig. Die einzige Möglichkeit ist dann eine Ausschlussdiät: Man füttert eine Fleischsorte und eine Kohlenhydratsorte, mit der das Tier bisher noch nie in Berührung gekommen ist, wogegen also keine Antikörper vorhanden sein können. Dazu muss man wissen, dass Allergien, die irgendwann

im Leben des Hundes auftreten, ihren Ursprung schon in einer Mageninfektion im Jugendalter haben können. Die Durchlässigkeit der Magenschleimhaut erhöht sich durch die Entzündung, größere Bruchstücke von Eiweiß gelangen ins Blut und werden zum "Feindbild", das vom Immunsystem bekämpft wird. Damit schließt sich der Kreis. Beim späteren Füttern derselben Eiweißart ist die Allergie da. Nebenbei bemerkt: Auch eine Kastration erhöht die Anfälligkeit für Autoimmunkrankheiten.

Damit bei einer Magen-Darminfektion keine Gedächtnisbildung entstehen kann, sollte man also dem erkrankten Hund 24 Stunden lang (bis zur Besserung) nichts zu fressen geben, auch nicht die häufig empfohlene "Schonkost" Reis mit Hühnchen und/oder Hüttenkäse. Selbst die kann eine allergieauslösende Wirkung haben.

Das eintägige Fasten gilt NICHT für Welpen oder alte und schwache Hunde. Hier ist sofort der Tierarzt gefragt!

 

"Wild" lebende Hunde auf großen Bauernhöfen, Hütehunde fernab der Zivilisation oder auch Streuner in aller Welt verbringen nicht mehr als eineinhalb Stunden am Tag mit Nahrungssuche und Fressen. Vielfach versorgen sie sich mit Kleintieren, Aas und ähnlichem (vergleichbar mit dem Fuchs bei uns). Nirgendwo gehen sie auf die Jagd nach größeren Beutetieren, auch nicht im Rudel. Eine "symbolische Gemeinschaftsjagd" von Herr und Hund, wie sie von manchen Leuten postuliert wird, ist keineswegs der Natur des Hundes entsprechend, ebenso wenig, dass ein Hund sein Futter "verdienen" muss, sozusagen als Tagelöhner. Der Grundstoffwechsel braucht eine gewisse Regelmäßigkeit, er darf nicht infrage gestellt werden, daher müssen mindestens 50% der Tageration an Futter als "Grundeinkommen" bedingungslos zur Verfügung stehen, alles andere ist unbiologisch und erpresserisch. Um einen ausgeglichenen Blutzuckerspiegel zu erreichen, sollte schon der Morgenspazier-gang nicht nüchtern unternommen werden. Dann ist auch die Stressanfälligkeit geringer. Dazu können dann als Bonus Leckerchen und Belohnungen kommen.

Hyperaktive Hunde und Senioren brauchen absolute Vorhersagbarkeit (Uhrzeit), weil der Stoffwechsel nicht (mehr) so variabel ist. Überhaupt benötigen sie für alles Klarheit, damit sie sich überhaupt entspannen können.

Nahrungsprägung beginnt schon im Mutterleib: "Das hat deine Mutter gefressen, als sie mit dir schwanger war, das solltest du dir merken. Das könnte für dich auch mal interessant werden!"

Auch über die Muttermilch erhält der Welpe Informationen über das Futter seiner Mutter, er wird auf dieses Futter geprägt. Später, wenn er eigenständig Nahrung zu sich nimmt, ist eine möglichst vielfältige Fütterung auch für ihn wichtig, damit der Hund sich nicht auf eine einzige Futtersorte festlegt und womöglich ein mäkeliger Fresser wird.

Die benötigten Futtermengen für einen Hund kann man nicht genau angeben. Sie sind natürlich abhängig von Größe, Rasse, Alter, Aktivität usw. Wie unterschiedlich der Energieverbrauch (Leistungsstoffwechsel) sein kann, macht folgende Gegenüberstellung deutlich:

Ein arbeitender Schlittenhund benötigt 11x so viel Energie wie in Ruhe.

Im Vergleich dazu:

Ein Tour-de-Franse-Fahrer auf Bergetappe bringt es gerade mal auf den achtfachen Bedarf eines ruhenden Menschen.

 

                            ...nicht ganz ernst gemeint...                                             Für den Energiestoffwechsel (Brennstoffwechsel) kommen Mensch und Hund mit Kohlenhydraten und Fetten aus, die sie rückstandslos verbrennen können, um die für die Aufrechterhaltung der Körperfunktionen benötigte Energie herzustellen. Während leichtverdau-liche Kohlenhydrate wie Traubenzucker oder Nudeln schnell Energie freigeben, sind Fette nicht so schnell verdaulich und daher ein langfristiger Brennstoff. 

Wenn Hyperaktive (Menschen oder Hunde) viel leichtverdauliche (süße) also schnell wirkende Kohlenhydrate zu sich nehmen, ist eine Verstärkung der ADHS-Symptome zu erwarten. Hier ist es angebracht, eher auf nicht süße, stärke-und ballaststoffreiche Nahrungsmittel zu setzen, deren Verdauung langwieriger ist, die aber auch länger satt machen.

Manche Fette dienen auch dem Baustoffwechsel. Hierbei werden alle Körperzellen nach und nach erneuert (

"Nach sieben Jahren vsitzt hier ein komplett rund erneuerter Mensch!")            

Ganz besondere Bedeutung hat eine ausreichende Zufuhr entsprechender fette in der Pubertät, wenn vor allem das Gehirn völlig umgebaut und neu verkabelt wird, außerdem beim Senior, damit der Abbau nicht den Erneuerungsprozess überholt.

Ähnlich positive Ergebnisse zeigt die genügende Zufuhr von B-Vitaminen.

Bierhefe ist eine gute Möglichkeit, Hunde (aber auch Menschen) ausreichend mit Vitamin B 12 und Folsäure zu versorgen.

Praktischerweise enthält die Hefe auch noch Magnesium und Zink.

 

Dies sind nur einige Aspekte, die die Zusammenhänge zwischen Fütterung und Verhalten anreißen, Puzzleteile mit vielen

(noch) unbekannten Verzahnungen. Sicher kann man Verhaltensprobleme nicht "wegfüttern", eine Nahrungsumstellung

alleine wird Probleme nicht aus der Welt schaffen, aber vielleicht macht sie das tägliche Leben ein bisschen leichter und

öffnet Wege für ein erfolgversprechendes Training.

Außerdem ist jeder Fall einzigartig.

Problemverhalten, Persönlichkeitstyp, Werte der Hormone und Botenstoffe, Alter, individuelles Umfeld, Lebensgeschichte

und Vieles mehr sind im Einzelfall zu berücksichtigen.

 

 

Ursula Bülte



Mit Hilfe der Akupunktur soll der Energiefluss wieder in Gang gebracht, Blockaden sollen aufgelöst und Selbstheilungskräfte angeregt werden.

Durch das Einstechen von sehr feinen Metallnadeln werden bestimmte Hautpunkte und ihre Gewebeumgebung physikalisch stimuliert. Da es sich um Nadeln und nicht etwa um Kanülen handelt, die Löcher in die Haut und das tiefer liegende Gewebe stechen, werden Haut und Gewebe nur zur Seite gedrückt, aber nicht verletzt.

Der Einstich der Nadeln ist kaum schmerzhaft.

Die Nadeln für Menschen sind dieselben wie die für Tiere. Auch die Therapiepunkte unterscheiden sich nur wenig. Sie liegen vor allem auf den sogenannten Meridianen ("Leitbahnen"), von außen unsichtbaren Linien, die ein Energienetz im Körper bilden. Vielleicht kann man sie sich bildhaft wie ein Straßennetz vorstellen.

Neuerdings kann die Behandlung auch völlig schmerzfrei mit Laserlicht durchgeführt werden, was sich besonders zur Behandlung sehr ängstlicher oder scheuer Tiere eignet.

Keine Studie konnte bisher nachweisen, was genau im Körper bei der Akupunktur passiert. Aber es gibt viele Berichte, nach denen Hunde, die vorher offensichtlich Schmerzen hatten, wesentlich entspannter, vital und schmerzfrei waren. Ein Placebo-Effekt bei Tieren? Doch höchstens auf dem Umweg über die Erwartungshaltung des Besitzers! Gesichert zu sein scheint, dass durch die Stimulierung bestimmter Triggerpunkte Endorphine (=körpereigenes Morphin) im Gehirn von Wirbeltieren ausgeschüttet werden, die Schmerzen lindern.

 

Erste Informationen über die Akupunktur kamen wahrscheinlich über die alten Seidenstraßen und die Schiffsrouten zwischen China und Indien, später dann über das Mittelmeer nach Europa. Bereits zur Römerzeit existierten entsprechende schriftliche Aufzeichnungen. Im heutigen Sri Lanka zeugt ein ungefähr 1500 Jahre altes Palmblattbuch vom Wissen der damaligen Heilkundigen. Es zeigt Abbildungen von Menschen und Tieren mit dargestellten Akupunkturpunkten. Der Text allerdings konnte bis heute nicht übersetzt werden.

Während in den USA alternative Heilmethoden bei Tieren boomen, gewinnen diese in Europa erst langsam an Interesse. Aber such bei uns bilden sich immer mehr Tierärzte in Akupunktur fort, vor allem für ihre Hunde- und Katzenpatienten. Angewandt wird die Therapie vor allem bei Entzündungen und Schmerzen (Arthrose, Bandscheibenvorfall, Hüftgelenksdysplasie) oder bei schweren chronischen Erkrankungen wie z. B. Epilepsie.

 

Befürworter und Gegner der Therapie stehen sich auch hier oft unversöhnlich, ja, man könnte sagen, militant gegenüber. Meridiane sind (zumindest bisher) wissenschaftlich nicht nachweisbar, aber es gibt seriöse Studien, die in einigen Anwendungsbereichen eine deutliche Besserung feststellten, in anderen war die Wirkung der Akupunktur jedenfalls nicht schlechter als bei der Behandlung mit Medikamenten - und das ohne Nebenwirkungen!

Wie weit Heilpraktiker einerseits an lukrativer, aber unwirksamer Behandlung, Schulmediziner andererseits an der Förderung durch die Pharmaindustrie interessiert sind, soll hier nicht diskutiert werden. Viele Tier- und Menschenärzte sehen Akupunktur inzwischen wesentlich differenzierter als noch vor einigen Jahren. Selbst die deutschen Krankenkassen zahlen seit etwa zehn Jahren für Akupunkturbehandlungen in der Schmerztherapie...

Auch wenn Wissenschaftler etwas nicht ganz verstehen, kann es doch da sein.

Vor einer wie auch immer gearteten Therapie sollte der Hund (oder die Katze) zunächst schulmedizinisch untersucht werden. Mit einem guten Tierarzt kann man reden und sich dann für eine sinnvolle Behandlung entscheiden.

Akupunktur kann selbstverständlich nur helfen, wenn keine Körperstrukturen zerstört sind wie etwa bei einem Knochenbruch. Wenig sinnvoll wäre sie auch bei Krebs oder einem Schlaganfall - außer zur Schmerztherapie.

Billig ist die Behandlung mit den kleinen Nadeln nicht, und nicht jeder Arzt oder Heilpraktiker kann damit umgehen.

Die Ausgaben für eine Sitzung reichen von etwa 50 bis 80 Euro, aber möglicherweise kann man so (noch) teurere Medikamente und ihre Nebenwirkungen vermeiden.


 

Die Akupunktur kann und soll die westliche Medizin nicht ersetzen.

Aber sie kann sie in vielen Bereichen sinnvoll ergänzen.

Durch das ganzheitliche Verständnis von Mensch oder Tier werden Erfolge erreicht,

wo sonst nur Kapitulation möglich wäre.

                                                                                                                                                                                                                (Chinesische Medizin)

Ursula Bülte     Januar 2017


Robert Mehl arbeitete ursprünglich mit Menschen, vor allem auch mit jungen Straftätern. Indem er versuchte ihnen aus ihrer Misere zu helfen, befasste er sich intensiv mit den Strukturen des Gehirns und den dort ablaufenden Prozessen. "Auf den Hund" kam er mehr zufällig. Seinen eigenen Hund verstand er während dessen Pubertät nicht mehr so recht und vertiefte sich nun in die Strukturen des Hundehirns. Und siehe da, erstellte fest: Aufbau und Funktion des Gehirns von Hund und Mensch unterscheiden sich artübergreifend nicht. Vor diesem Hintergrund ist es möglich, viele gesicherte Erkenntnisse aus der Neurowissenschaft auch auf den Hund (und andere Säugetiere) zu übertragen.

Auf jede Bedrohung, real oder nur subjektiv als solche empfunden, gibt es zwei mögliche Reaktionen, Kampf oder Flucht, "Fight or Flight", zwei Seiten derselben Medaille. Die Reaktion des Gehirns auf Stress geschieht unbewusst, ja sogar gegen unseren Willen.

Was aber läuft da im entscheidenden Moment ab?

Angst und Wut haben ihren Ursprung an derselben Stelle des Gehirns, in der Amygdala, dem Mandelkern. Informationen der Sinnesorgane, die eine Gefahr anzeigen könnten, gelangen auf direktem Weg zur Amygdala, ohne "Umweg" über das Großhirn, in dem das vernünftige Denken stattfindet. Daher kann die Reaktion des Körpers bereits stattfinden, ehe wir überhaupt richtig begriffen haben, was los ist - was manchmal lebensrettend sein kann. Das Großhirn wird erst später informiert.

Stress bewirkt nun unmittelbar die Freisetzung von Hormonen. Die Amygdala weist den Hypothalamus, das Steuersystem des vegetativen Nervensystems, an, der Hypophyse eine Nachricht zu schicken: Die Nebenniere soll Adrenalin und Noradrenalin ausschütten, außerdem Cortisol und andere Hormone, die schließlich weitere Systeme im Körper aktivieren. Der Puls wird rascher, der Blutdruck steigt, die Schmerzempfindung nimmt deutlich ab. Erst wenn die Gefahr vorüber ist, erreichen die Werte langsam wieder Normalität.

Wie bzw. in welcher Art und Stärke diese Vorgänge ablaufen, ist auch von der Persönlichkeit des Menschen oder des Hundes abhängig. Dazu wurde das heute gängige Modell der "Big Five" vorgestellt.

Fünf Faktoren tragen zur Persönlichkeitsstruktur bei, nicht alle einzelnen Merkmale müssen gleich stark ausgeprägt sein. Unterschiede in den Ausprägungen lassen sich neueren Forschungen zufolge etwa zur Hälfte durch die Gene erklären. Aber eben nur zur Hälfte! Die andere Hälfte unterliegt dem Einfluss der Umwelt.

 

 Faktor                                                         schwach ausgeprägt                                      stark ausgeprägt

Neurotizismus                                           selbstsicher, ruhig                                                       emotional, verletzlich

Extraversion                                               zurückhaltend, reserviert                                         gesellig

Offenheit für Erfahrungen               konservativ, vorsichtig                                              erfinderisch, neugierig

Gewissenhaftigkeit                                unbekümmert, nachlässig                                        effektiv, organisiert

Verträglichkeit                                         wettbewerbsorientiert, misstrauisch                  kooperativ, freundlich, mitfühlend

Besonders interessant dürfte in unserem Zusammenhang der Faktor "Neurotizismus" sein, denn er spiegelt individuelle Unterschiede beim Erleben von negativen Gefühlen wider. Wer emotional und/oder verletzlich ist, erlebt Angst, Nervosität und Unsicherheit besonders stark. Leichter ausgelöst, bleiben diese Empfindungen auch noch länger bestehen und verhindern eine angemessene Reaktion in Stresssituationen.

Im Folgenden stellte Herr Mehl das Generalisierte Allgemeine Modell der Aggression vor:

(vgl. DeWall, Anderson und Bushman, 2011) 

Beim Menschen geht man (auch) von Kognition und durchdachten Handlungen aus, was beim Hund bisher nicht wissenschaftlich belegbar ist. Daher sind diese Begriffe hier farblich abgesetzt.

Unter Aggression versteht man ein Verhalten, dessen Absicht es ist, einen andern (physisch) zu schädigen, wobei der andere diesen Schaden zu vermeiden versucht. Dabei werden zwei Subtypen von Aggression unterschieden:

 

1.  kontrolliert - instrumentell

  • Aggression als "Mittel zum Zweck", um Ressourcen oder Fortpflanzungspartner zu gewinnen, Territorien (z. B. Sessel) zu gewinnen
  • "kalt"
  • Regulation durch höhere kortikale Systeme (bewusst, geplant)

 

2. reaktiv-impulsiv

  • plötzliche, erhöhte, anhaltende oder unangemessen aggressive Antworten auf Reize
  • begleitet von Ärger und Erregung, "heiß"
  • Regulation durch Hypothalamus und limbisches System (Amygdala)

Was nützt uns nun all dieses Wissen beim Umgang mit einem Hund, der Angst und/oder Aggression zeigt? Noch nicht so viel. Kehren wir noch einmal zur letzten Grafik zurück und schauen uns die einzelnen Aspekte genauer an. Was ist da alles in die Kalkulation einzubeziehen?

Neben vererbten Anlagen wird die Persönlichkeit beeinflusst durch

  • biologische Faktoren:  Hormonstatus, Kastration, Schilddrüse, chronische Schmerzen, neurologische Strukturen, Demenz, ...
  • Einflüsse aus der Umwelt:  (Mangel-)Ernährung, Hunger, Gifte, Medikamente, Psychopharmaka, Stress/Trauma, Lernen/Erziehung, ...

Auch die jeweils aktuelle Situation kann stark variieren. Das Verhalten wird mitbestimmt von der Stimmung des Halters, von den Menschen, die mit dabei sind und ihrer Anzahl, von Umgebung, Tageszeit, momentanem persönlichem Befinden usw.

Wie und von wem wird der Hund in und durch die Situation geführt?

Manchmal kann man beobachten, dass ein Hund völlig anders reagiert, je nachdem, ob er mit Herrchen oder Frauchen unterwegs ist...

Welche Erwartungshaltung hat der Mensch dem Hund gegenüber? Was sollte der Hund anstelle der Aggression empfinden? Wie kann das erreicht werden?

Wie kann er sich beruhigen? Wer beruhigt ihn?

Wie sieht es mit der Gestaltung der sozialen Begegnung aus? Wer trifft wen? Wird die Begegnung vom Hund aktiv gestaltet oder passiv erlitten?

Mehr Fragen als Antworten!

Die können nur durch gezielte Beobachtung in vielen Situationen schrittweise gewonnen werden, ein Puzzle, das seine Zeit braucht.

Die eine schnelle, allgemeingültige Therapie gibt es nicht!

Ursula Bülte


Es handelt sich um eine öffentlich-rechtliche Abgabe, der keine bestimmte Leistung gegenüber steht wie z. B. das Reinigen der Straße von Hundekot oder das Aufstellen von Tütenspendern und Abfalleimern. Dafür werden maximal 10 - 20% der kassierten Gelder verwendet.) Die Hundesteuer wird von der Kommune als Jahressteuer erhoben und soll die Einnahmen der Gemeinde erhöhen - und außerdem die Zahl der Hunde in Grenzen halten (wird gesagt). Gerade in den letzten Jahren, in denen viele Kommunen fürchten müssen, ihre Finanzhoheit zu verlieren (Haushaltssicherungsgesetz), werden in das Belieben der einzelnen Gemeinde gestellte Steuern gern und kräftig angehoben. Die Steuersätze werden vom Rat festgelegt und unterscheiden sich in ihrer Höhe erheblich. Im bayerischen Windorf (nahe Passau) zahlt man beispielsweise gar keine Hundesteuer, in Mainz sind es 186 € für den ersten Hund; häufig ist die Gebühr für den zweiten Hund noch höher, von der äußerst umstrittenen "Kampfhundesteuer" gar nicht zu reden...

Bundesweit haben die Kommunen 2014 insgesamt 309 Millionen Euro Hundesteuern eingenommen, so die Angaben des Statistischen Bundesamtes. Das ist ein Anteil von 0,05 Prozent am Gesamtsteueraufkommen. Nach Ansicht mancher Fachleute sind die Kosten des Verwaltungsaufwandes höher als die kassierte Geldsumme...

Die Herrschenden waren schon immer recht einfallsreich, wenn es galt ihre Säckel zu füllen. So reicht die Geschichte der Hundesteuer bis ins ausgehende Mittelalter zurück. Damals war die Jagd auf Hochwild ein Privileg der Adligen, für ihre Jagdhunde aber mussten andere aufkommen: die lehnsabhängigen Bauern. Anfangs hatten sie Getreide abzuliefern, das sogenannte "Hundekorn". Später, als die Lieferung von Naturalien zu unpraktisch wurde, führte man eine Geldabgabe ein.

Der dänische König Christian gestattete 1807 im damals dänischen Herzogtum Holstein den Gemeinden die Einführung einer Hundesteuer, um die Armenkassen aufzubessern. Nach und nach führten etliche Städte in Deutschland ebenfalls Hundesteuern ein, sei es zur Tilgung von Kriegsschulden, um die Zahl der Hunde zu verringern oder einfach als Luxussteuer. Friedrich Wilhelm III zum Beispiel war der Meinung, wer es sich leisten könne, einen Hund zu halten, der nicht als Nutztier dient, müsse auch noch genug Geld haben, um eine extra Abgabe zu zahlen. Ausnahmen gab es für Jagd- und Wachhunde, ebenso für Hütehunde und einige andere Gruppen. 

Auch für Pferde, Klaviere, Stubenvögel, Katzen und Diener (!) galt diese Steuer. Heute klingt "Luxussteuer nicht mehr zeitgemäß, man nennt sie daher "Aufwandssteuer" - an der Sachlage ändert das nichts.

In vielen anderen europäischen Ländern wurde die Hundesteuer längst abgeschafft, so in Dänemark, Frankreich, England, Schweden, Belgien, Spanien, Italien, Griechenland, Ungarn und Kroatien, in den Niederlanden ist es den Kommunen freigestellt Steuern zu erheben oder nicht.

Werden Hundebesitzer bei uns wirklich nur zur Kasse gebeten, weil sie offenbar mehr Geld haben, als zum Überleben nötig ist? Weil sie eine erfassbare und kontrollierbare Gruppe sind?

Das Bundesverfassungsgericht hat Anfang 2012 ohne Begründung entschieden, den Fall gar nicht erst zu verhandeln (AZ. 1 Bvr 1888/11). Wer nun gedacht hatte, die beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg eingereichte Klage werde erfolgreich sein, sah sich auch hier getäuscht.  Unter mysteriösen Umständen verschwanden unersetzliche Unterlagen "aufgrund  eines hier nicht mehr nachvollziehbaren Büroversehens" aus den Gerichtsakten...  

(Schreiben des Gerichts von 17.5.2013)   

Einerseits gilt der Hund - weil er ein Tier ist - seit 1990 gesetzlich als anerkanntes, schmerzempfindendes Mitgeschöpf des Menschen - Aufwandssteuern dürfen aber nur auf Gegenstände erhoben werden!

Juristisch wird der Hund jedoch immer noch als "Sache" (als "Haushaltsgegenstand im Sinne des § 1361 a BGB) eingestuft, darf aber in Bezug auf die progressive Besteuerungswillkür rechtlich betrachtet wiederum nicht zwingend mit Autos verglichen werden...

                                                                       Ja, was denn nun!?



Wildschweine sind durch das Zutun des Menschen Kosmopoliten geworden. Zeitweise in Mitteleuropa durch konsequentes Bejagen fast ausgerottet, hat in den letzten Jahrzehnten ihre Population mächtig zugenommen, vor allem durch den immer intensiveren Maisanbau. Allerdings sind Wildschweine Allesfresser und machen vor fast nichts halt. In Berlin zum Beispiel haben sie sich weit in die menschlichen Siedlungen vorgewagt und pflügen seelenruhig Vorgärten um.

Im Mai 2003 tauchten zwei von ihnen sogar mitten auf dem Alexanderplatz auf...

Auch schwimmenderweise können sie Hindernisse überwinden. Mit Hilfe von Fotofallen konnte beispielsweise bewiesen werden, dass sie den Rhein bei Lörrach und in der Nähe von Basel durchschwommen haben.

Früher wurden Frischlinge meist im Frühjahr geboren, durch das heute so hervorragende Futterangebot und die milderen Winter gibt es das ganze Jahr über Wildschweinnachwuchs und man kann jederzeit Bachen mit Frischlingen antreffen. Diese verteidigen ihre Jungen sehr energisch.

Ein Hund, der zwischen eine Bache und ihre Jungen gerät, hat also ziemlich schlechte Karten!

Wölfe, Bären und Luchse als natürliche Feinde des Schwarzwilds - vor allem natürlich der Frischlinge - fallen in unseren Wäldern aus, daher überleben mehr als zwei Drittel der jungen Wildschweine den ersten Winter. (In Gebieten, in denen es große Raubtiere gibt, ist es nur ein knappes Drittel.)

Eine weitere Gefahr geht von verletzten Keilern aus - etwa durch einen Autounfall, oder von Jägern angeschossen. Sie sind verständlicherweise unberechenbar und verhalten sich besonders aggressiv.

Wer in der Dämmerung durch den Wald streift, vielleicht auf der Suche nach Pilzen und dann noch seinen Hund frei laufen lässt, begibt sich allerdings selbst in die größte Gefahr. Denn dann werden die Tiere mutwillig und unnötig aufgestört. Ihre Reaktion ist dementsprechend nicht vorhersehbar.

Von einer ganz anders gearteten, zunächst eher wenig erkennbaren Gefahr soll aber jetzt noch die Rede sein, von einem für Hund oder auch Katze tödlichen Virus, das von Wildschweinen verbreitet werden kann:

Das Aujetzki-Virus ist ein Herpes-Virus, das beim Hund innerhalb weniger Tage fast immer zum Tod führt. 

Dass ein Hund kein rohes Schweinefleisch bekommen darf, ist Hundebesitzern wohl überall bekannt. Grund ist die mögliche Infektion mit diesem Virus, dessen Hauptwirt das Schwein ist, die Erkrankung aber in der Regel - mit oder auch ohne klinische Symptome - überlebt. Auch Menschen scheinen nicht empfänglich für das Aujetzki-Virus zu sein, weswegen es auf Schlachthöfen nur Stichproben oder vereinzelte Kontrollen in begründeten Verdachtsfällen gibt.

Bei Hunden sind tollwutähnliche Symptome typisch (Unruhe, Aggressivität oder auch Apathie und Schlappheit), außerdem extremer Juckreiz, Erbrechen und Durchfall.

Der Tierarzt hat keine Möglichkeit, das Leben des Tieres zu retten, er kann es nur noch von seinem Leiden erlösen. Auch eine vorbeugende Impfung gibt es nicht.

Seit 2003 gilt Deutschland als Aujetzki-frei, allerdings nur, was die Hausschweine betrifft! Es gibt jedoch keine Garantie, dass sie sich nicht neu infizieren könnten, oder dass durch Tiertransporte aus dem Ausland infiziertes Fleisch ins Land gelangen könnte.

Beim Schwarzwild ist die Lage anders. Mehrfach wurde in den vergangenen Jahren das Virus bei Wildschweinen nachgewiesen, die jüngste Meldung stammt vom 29.10.2015 aus Diesdorf in der Altmark. In NRW sollen etwa 10% des        

             Wild (schwein) wechsel                        Schwarzwildes Virusträger sein. Man kann annehmen, dass die Werte in anderen Bundesländern ähnlich sind.

                       in Frankreich                                  Es ist also auf jeden Fall richtig und wichtig, auch weiterhin kein rohes Schweinefleisch zu verfüttern und ganz   

                                                                besonders darauf zu achten, dass unsere Hunde keinen Kontakt zu Wildschweinen haben

                                                               - weder zu lebenden noch zu toten.           


Juni 2014

Die Schilddrüse ist an allem schuld!?

Abendvortrag am 30.5.2014 in Düsseldorf mit Sohpie Strodtbeck und Dr. Udo Gansloßer zum Thema:

 

Schilddrüse und Verhalten beim Hund

 

Im Folgenden will ich versuchen, die wesentlichen Inhalte dieses beeindruckenden Vortrages zusammenzufassen.

 

Die Schilddrüse ist ein recht kleines Organ. Sie liegt zu beiden Seiten der Luftröhre in unmittelbarer Nähe des Kehlkopfes. Ihre Funktion besteht in der Produktion, Speicherung und Ausscheidung der jodhaltigen Schilddrüsenhormone T3 (Trijodthyroxin und T4 (Thyroxin). Dadurch wirkt sie auf fast alle Organsysteme: Sie beeinflusst Wachstum, Stoffwechsel, Organentwicklung, Nervensystem, Körpertemperatur, Herz, Kreislauf und die Tätigkeit des Gehirns. Gesteuert wird die Ausschüttung der Schilddrüsenhormone durch übergeordnete Zentren im Gehirn, über die sogenannte Hypophysen-Hypothalamus-Schilddrüsenachse.

Eine Schilddrüsenüberfunktion kommt bei Hunden selten vor, meist im Zusammenhang mit einem (oft bösartigen) Tumor.

Eine Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) führt zu verminderter Ausschüttung von Schilddrüsenhormonen, der Grundumsatz wird folglich erniedrigt. Die Ursache der Hypothyreose ist in über 95% der Fälle ein Verlust von Schilddrüsengewebe durch eine Autoimmunerkrankung, bei der das irritierte Immunsystem körpereigenes Schilddrüsengewebe angreift. Was übrig bleibt, gibt sein Bestes, um den Hormonmangel zu kompensieren, doch irgendwann fällt der Hormonspiegel ab.

Symptome einer Schilddrüsenunterfunktion können bereits zu Beginn der Pubertät sichtbar werden, meist sind die betroffenen Hunde aber in mittlerem Alter. Auf die Blutuntersuchung beim jungen Hund wird deswegen so viel Wert gelegt, damit man rechtzeitig gegensteuern kann, falls die Laborwerte es nötig machen. Andernfalls werden alle Organe, auch das Gehirn, geschädigt. Die Folgen können neben körperlichen Problemen und Erkrankungen Reizbarkeit, mangelnde geistige Leistungsfähigkeit und geringe soziale Kompetenz sein. Allerdings ist nicht nur das Thyroxin verantwortlich, sondern das ganze Hormonsystem ist beteiligt wie bei einem Orchester, das tonale Geordnete, harmonische) Musik spielen soll. Wenn das Ordnungsgefüge durcheinander gerät, wenn sich einzelne Instrumente selbständig machen, ist es mit dem Wohlklang vorbei, es kommt zum Chaos.

Ein Beispiel soll verdeutlichen, wie Thyroxin und Wachstumshormon zusammenwirken. Die Pubertät ist unter anderem die Zeit, der Muskelreifung und Knochenentwicklung. Aus schlaksigen Bewegungen werden effektive, gut koordinierte; die Wachstumsfugen schließen sich, der Hund erreicht seine endgültige Größe.

Ein Mangel an Thyroxin kann zu Großwuchs, zu Knochenverdichtungen oder zu einem unverhältnismäßig schweren, grobknochigen Skelettbau führen.

Bei den Zuständigkeiten im Gehirn findet eine Neuverteilung und Spezialisierung statt, bei der besonders die Botenstoffe Serotonin und Dopamin beteiligt sind, eine Neuverkabelung sozusagen, als würde ein modernes Glasfaserkabel die alten Verbindungen ersetzen und um ein Vielfaches effektiver machen. Stimmt das Zusammenspiel nicht, ist eine mangelnde Reifung des Intellekts vorprogrammiert - vielleicht haben Sie dann einen ADHS-Hund, ja, auch das gibt es nicht nur bei den Menschen! Ein Trost ist vielleicht, dass die Pubertät und damit die Zeitspanne, in der das Einsetzen einer eventuell notwendigen Behandlung am vielversprechendsten ist, relativ lange dauert: bei der Hündin etwa bis zur dritten Läufigkeit, beim Rüden noch einige Monate länger.

Es gibt bei der Schilddrüsenunterfunktion kein einheitliches Krankheitsbild. Deswegen wird sie auch als "Verwandlungskünstler" eingestuft. Viele sehr unterschiedliche Symptome können auf eine Hypothyreose hindeuten. nicht alle treten bei allen betroffenen Hunden auf, und manche können auch Zeichen eigenständiger Krankheiten sein. gerade zu Beginn zeigt jeder Hund individuelle Symptome. All dies macht die Diagnose schwierig und neben der Berücksichtigung des Umfeldes und der Lebensbedingungen ist die Erstellung eines Organprofils und eines Schilddrüsenprofils unbedingt erforderlich.

Eine Reihe von Symptomen, die auch der weniger professionell geschulte Halter beobachten kann, sei hier genannt (ohne Anspruch auf Vollständigkeit):

Allgemeinbefinden

  • schlechte Wundheilung
  • Immunschwäche (immer wiederkehrende Infektionen)
  • chronische Ohrenentzündung (Otitis)
  • erniedrigte Herzfrequenz
  • Zyklusstörungen der Hündin
  • therapieresistente Hautinfektionen
  • Haarausfall, schlechtes Haarwachstum
  • stumpfes, glanzloses Fell,
  • "trauriger Blick" als Folge von Wassereinlagerungen unter der Haut
  • Verlust von Geruchs- und Geschmackssinn

Verhaltensänderungen

  • plötzliche Aggressionen, Launenhaftigkeit
  • Apathie, Trägheit, Müdigkeit
  • Angst, Phobien, Unsicherheit
  • Hyperaktivität (ADHS)
  • Stressanfälligkeit
  • Erschöpfung, Leistungsabfall                                                    (Hypothyreosehunde schlafen bis zu 23,5 Stunden pro Tag.                    Gassi gehen sie nur unter Protest und bei kaltem Wetter schon gar nicht!)

 

 


Falls Ihr Hund eines oder mehrere dieser Symptome zeigt,  verfallen Sie nicht in Panik!

Zum einen kann etwas ganz anderes, vielleicht viel Harmloseres dahinterstecken, zum andern ist eine einmal sorgfältig diagnostizierte Schilddrüsenunterfunktion gut behandelbar und muss - bei individuell eingestellter Medikation - das Leben Ihres Hundes nicht einschränken. Allerdings Müssen Sie ihn untersuchen lassen und dabei eben die Möglichkeit einer Hypothyreose ins Auge fassen!


April 2014

Dass der Hund vom Wolf abstammt - und zwar alle Hunde überall auf der Welt -, das ist seit Jahrzehnten unumstritten. Schakale und Kojoten konnten durch Analysen des Erbgutes endgültig als Urväter und -mütter ausgeschlossen werden.

Meinte man aber vor kurzem noch, die Herkunft des Hundes aus Südostasien oder dem Nahen Osten annehmen zu müssen, weil dort die größte genetische Bandbreite zu finden ist, so erregte gegen Ende des Jahres 2013 eine neue Studie großes Interesse, in der die Wissenschaftler zu dem Schluss kommen:

"Der Hund ist ein Europäer!"

Forscher um Olaf Thalmann von der finnischen Universität Turku untersuchten nicht wie meist üblich das Erbmaterial DNA in den Zellkernen. Da die DNA im Laufe der Jahrtausende zerfällt, ist bei sehr alten Fossilien oft auch nur noch Bruchstückhaftes zu finden, das für eine korrekte Analyse nicht ausreicht. Sie untersuchten die Miniorgane (Organellen) in den Körperzellen, die dort als "Kraftwerke" arbeiten und jedes Lebewesen mit Energie versorgen. Diese Organellen bezeichnet man als Mitochondrien. Zu Urzeiten waren sie Bakterien, also eigenständige Lebewesen, die in die Körperzellen eingewandert sind. Daher besitzen sie ihr eigenes Erbmaterial, ihre persönliche DNA. Dieses Erbmaterial ist erheblich umfangreicher als das im Zellkern vorhandene. Außerdem arbeiten die Mitochondrien in jeder Zelle zu Hunderten oder gar Tausenden (!). So stehen die Chancen entsprechend gut, Vererbungslinien mit ihrer Hilfe aufzuspüren.

Dies machten sich der deutsche Evolutionsgenetiker Olaf Thalmann und seine Kollegen zunutze. Die Wissenschaftler verglichen DNA aus den Mitochondrien von 18 Wölfen und Hunden, die vor 1000 bis 36000 Jahren gelebt hatten, mit DNA-Proben von 77 modernen Hunderassen, 49 Wölfen und 4 Kojoten. In der Studie, die am 15. November 2013 im Fachjournal "Science" unter dem Titel "Complete Mitochondrial Genomes of Ancient Canids Suggest a European Origin of Domestic Dogs" veröffentlicht wurde, kommen Thalmann und seine Kollegen zu dem Schluss: Alle modernen Hunde auf der Welt sind mit Wölfen aus Europa nicht nur verwandt, sondern lassen sich auf sie zurückführen. Nicht die modernen Wölfe sind am engsten mit den domestizierten Hunden verwandt, sondern die vorgeschichtlichen europäischen Wölfe. Die ältesten Hunde wurden in Europa gefunden.

Eine weitere Tatsache kam im Zuge der Studie ans Tageslicht: Der Hund muss wohl weit früher zum "Haustier" geworden sein als bisher angenommen. In Belgien z. B. bestimmte man das Alter von Knochen eines prähistorischen Hundes auf fast 32000 Jahre. In der Grotte Chauvet in Frankreich sind neben den Abdrücken von Kinderfüßen die eines Hundes zu sehen. Vor ungefähr 26000 Jahren dürften die beiden dort durch die mit Felsmalereien geschmückte Höhle gewandert sein.

Es müssen schon die Jäger und Sammler gewesen sein, die mit den Wölfen kooperierten, nicht erst die Ackerbauern. Robert Wayne, einer der Forscher, erklärt dazu:

"Der Wolf ist die erste überhaupt domestizierte Art und das einzige große Raubtier, das der Mensch je domestizierte. Das schien mir schon immer seltsam. Andere Wildtiere wurden im Zusammenhang mit der Entwicklung der Landwirtschaft domestiziert, um in enger Nähe mit dem Menschen zu leben. Das wäre eine schwierige Position für ein großes aggressives Raubtier. Aber wenn die Domestizierung in Zusammenhang mit den Jägern und Sammlern stattfand, dann kann man sich vorstellen, dass die Wölfe zunächst von den Tierkadavern profitierten, die durch Menschen zurückgelassen wurden - eine natürliche Rolle für jedes große Raubtier - um sich dann mit der Zeit durch einen ko-evolutionären Prozess allmählich immer mehr in die ökologische Nische des Menschen zu bewegen. Über diese Abfallverwertung hinaus konnten Wölfe den Jägern auch in anderer Hinsicht nützlich sein. Durch ihre scharfe Witterung bemerkten sie viel früher als Menschen, wenn gefährliche Tiere wie Bär oder Säbelzahntiger sich näherten. Die Unruhe der Wölfe war das Alarmzeichen, das die Jäger rechtzeitig warnte, so dass sie zu den Waffen greifen oder sich in unzugängliche Höhlen zurückziehen konnten." 

 


Juli 2013

Das wusste Paracelsus schon zu Beginn des 16. Jahrhunderts. Er formulierte damals:

 

"Alle Dinge sind Gift, und nichts ist ohne Gift;

allein die Dosis macht's, dass ein Ding kein Gift sei." 

 

Natürlich füttern wir unsere Hunde nicht absichtlich mit etwas, von dem wir wissen, dass es Gift enthält. Manche für Menschen gedachten Lebensmittel sind aber für Hunde gefährlich giftig, manchmal sogar tödlich. Darüber denken wir nicht unbedingt nach und bei einigen dieser Lebensmittel sind wir sicherlich überrascht.

 

Bei allen im Folgenden genanntem Fällen ist die sofortige Fahrt zum Tierarzt das Mittel der Wahl. Nur dort können die nötigen Untersuchungen und Therapien durchgeführt werden, nur dort kann Ihrem Hund geholfen werden.

Dass Alkohol bei einem Hund die gleichen Auswirkungen wie bei uns Menschen hat, verwundert eigentlich nicht. Schon ein kleiner Schluck kann unter ungünstigen Umständen zu Erbrechen, Atemnot und Koordinationsstörungen führen, da der Organismus des Hundes Alkohol nur sehr langsam und unvollständig abbauen kann. Nach kurzer Zeit schon (30 bis 60 Minuten) können sich Durchfall und Erbrechen einstellen, nach weiteren ein bis zwei Stunden Krampfanfälle und hohes Fieber.

 

Alle Zwiebelgewächse, also Speisezwiebel, Knoblauch, Bärlauch und Schnittlauch, die wir selbstverständlich in der Küche verwenden, sind für Hunde gefährlich. Sie enthalten Schwefelverbindungen (Disulfide), die die roten Blutkörperchen zerstören. Die Folge sind Blutarmut, beschleunigter Herzschlag und Atemfrequenz, außerdem Durchfall, Erbrechen und Verweigerung von Wasser und Futter, da das Gift die Schleimhäute des Magendarmtraktes reizt. Dabei spielt es nur eine geringe Rolle, ob die Zwiebeln roh, gekocht oder getrocknet gefressen werden. Bereits ab 5 g Zwiebeln pro kg Körpergewicht wird es ernst Das heißt also: Wenn unser Hund 25 kg wiegt, bedeuten bereits 125 g Zwiebel eine Gefährdung. Für einen Welpen allerdings, der ja bekanntlich gern alles Knabberbare auf seine Fressbarkeit prüft, kann schon eine einzige mittelgroße Zwiebel tödlich sein. Bei einer regelmäßigen Fütterung kleinerer Mengen Knoblauch entsteht möglicherweise eine lebensbedrohliche Blutarmut (Anämie).

Seit längerer Zeit ist bekannt, dass so harmlos anmutende Früchte wie Weintrauben und Rosinen bei Hunden zu Magenkrämpfen, Erbrechen und Durchfall, im schlimmsten Fall auch zu Nierenversagen führen können. Tierärzte stellten außerdem fest, dass das Blut dieser Hunde zu viel Kalzium enthielt (Hyperkalzämie).

Der genaue Zusammenhang zwischen dem Verzehr von Weintrauben und Vergiftungen bei Hunden ist wissenschaftlich noch nicht abschließend geklärt. Der Giftstoff selbst ist noch nicht bekannt. Untersuchungen zeigten, dass die üblichen Verdächtigen in diesem Fall nicht infrage kommen: Pestizidrückstände, Sulfit zur Behandlung von Trauben und Rosinen, Schimmelgifte, Traubenkerne.

Es ist möglicherweise ein Naturstoff im süßen Fruchtfleisch. Eventuell entsteht das Gift aber auch erst durch den Stoffwechsel in der Leber des Hundes. Bis heute tappt die Fachwelt im Dunkeln. Vielleicht ist es ein Abwehrstoff gegen Fressfeinde wie im Kakao die Polyphenole? Beeren werden in freier Wildbahn von Vögeln verbreitet und nicht von Wölfen. Als Fleischfresser gehören Beeren eher selten auf ihre Speisekarte.

Auch die Dosis, die den Weintraubengenuss zum Gift für den Hund macht, kann bisher nur geschätzt werden. Vermutungen laufen darauf hinaus, dass ein knappes halbes Pfund Trauben bei einem 20 kg schweren Tier reicht, um Krankheitserscheinungen zu bewirken. In Großbritannien ermittelten Wissenschaftler, dass etwa 14 g Rosinen pro kg Körpergewicht bei einem Labrador Retriever zum Tod geführt haben.

Zwar scheinen nicht alle Hunde mit Krankheitssymptomen auf Trauben uns Rosinen zu reagieren, aber sicherer ist es doch in jedem Fall, seinen vierbeinigen Freund nicht erst auf den Geschmack zu bringen, damit er sich nicht eventuell selbst bedient...

Auch bei Spaziergängen in der Nähe von Weinbergen ist Vorsicht angesagt: Oft liegen Haufen von Trester (Traubenresten nach dem Auspressen) bereit, um später zum Düngen verwendet zu werden. Hiervon sollten die Hunde natürlich auch nicht fressen!

Theobromin heißt der für Hunde giftige Stoff in Schokolade oder anderen kakaohaltigen Lebensmitteln. Wir tun unserem Hund also überhaupt nichts Gutes, wenn wir ihn an unserem süßen Genuss teilhaben lassen. Lebensgefährliche Vergiftungen können statt dessen die Folge sein. Je dunkler die Schokolade ist, umso höher ist der Theobromingehalt, ganz einfach, weil sie mehr Kakao enthält.

Die lebensbedrohliche Dosis für Hunde beträgt etwa 100 mg Theobromin pro kg Körpergewicht.

In einer Tafel weißer Schokolade sind ca. 200 mg, in einer Tafel Milchschokolade ca. 250 mg, und in einer Tafel Zartbitterschokolade bis zu 1600 mg Theobromin enthalten. Für einen 25 kg schweren Hund können eineinhalb Tafeln Zartbitterschokolade daher schon ein Ende mit Schrecken bedeuten.

Nach einer oder mehreren Stunden treten Vergiftungserscheinungen bis hin zu Herzrhythmusstörungen und Lähmungen der Hintergliedmaßen auf; ein Versagen des Herz- und Kreislaufsystems ist dann meist die Todesursache - manchmal erst nach einigen Tagen.

Ganz besonders gefährlich ist rohes Schweinefleisch. Nicht das Fleisch an sich ist für Hunde giftig, aber es besteht eine große Krankheitsgefahr durch das Aujetzki-Virus, das in diesem Fleisch enthalten sein kann. Für Menschen ein unproblematisches Herpes-Virus, kann es für Hunde tödlich sein, zumal die Erkrankung bisher nicht heilbar ist. Bei einer Temperatur von mehr als 60° wird das Virus abgetötet, gegartes Schweinefleisch ist also auch für den Hund ungefährlich.

Symptome einer Infektion zeigen sich manchmal erst nach 8 oder 9 Tagen: Appetitlosigkeit, Erbrechen, Wesensveränderungen, hohes Fieber, Lähmungen und extremer Juckreiz. Innerhalb von 1 bis 2 Tagen nach dem Auftreten der Symptome tritt der Tod des Hundes ein.

 

Schweinefleisch sollte daher niemals roh gefüttert werden!

Eine ganze Reihe weiterer Lebens- und Genussmittel darf keineswegs auf dem Speiseplan unserer Hunde stehen:

  • Koffeinhaltige Getränke      (Kaffee, Tee) Koffein erhöht den Blutdruck, verengt die Blutgefäße und beschleunigt den Puls. Krampfanfälle und lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen können die Folge sein, außerdem Durchfall und Erbrechen.
  • Nüsse     Da Nüsse sehr viel Fett und Phosphor enthalten, sind sie als Futter nicht geeignet. Vor allem Macadamianüsse, die in vielen Süßigkeiten und Gebäck verwendet werden, führen bei Hunden zu schweren Störungen des Magen-Darmtraktes. Dabei ist der Giftstoff bisher nicht bekannt.                                                  In der Fruchtschale der Walnüsse befindet sich häufig ein Pilz mit neurotoxischer Wirkung (Nervengift).
  • Tabak  Schon ein Zigarettenstummel oder ein wenig Kautabak (5 - 25 g) können zur toxischen Dosis werden. Sogar das Trinken aus einer Pfütze, in der ein paar Kippen schwimmen, kann für kleine Hunde, besonders auch für Welpen, eine Gefahr bedeuten.
  • Süßigkeiten mit dem Süßstoff Xylit  Der Süßstoff Xylit ist in vielen zuckerfreien Lebensmitteln, Bonbons und Kaugummis enthalten. Bei Hunden ruft Xylit eine erhöhte Ausschüttung des körpereigenen Insulins ins Blut hervor, die zu einem starken, lebensbedrohlichen Abfall des Blutzuckerspiegels führen kann.Der Verzehr einer Tüte Xylit-haltiger Bonbons kann selbst für einen großen Hund tödlich sein, wenn das Tier nicht schnellstmöglich intensivmedizinisch betreut wird.
  • Avocados   Avocados können (!) in allen Teilen der Frucht Persin enthalten, einen Stoff, der für Menschen keine schädlichen Folgen hat, während er für Haustiere tödlich sein kann. Er führt zu Atemnot und schädigt den Herzmuskel.

Dass Bohnen für Mensch und Tier nur gekocht genießbar sind bedarf eigentlich keiner Erwähnung, ebenso, dass grüne Stellen an Kartoffeln weggeschnitten werden müssen (Solanin). Sicherlich ist auch bekannt, dass zerknackte Steine von Pfirsichen, Kirschen oder Pflaumen Blausäure enthalten und weder Mensch noch Hund bekommen.

Wussten Sie aber, dass bestimmte Konservierungsstoffe, nämlich E 210 (Benzoesäure), E 211 (Natriumbenzoat), E 212 (Kaliumbenzoat) und E 312 (Kalziumbenzoat) in Hunde- und Katzenfutter gesetzlich verboten sind, weil sie tödlich giftig sein können? Die für Menschen zugelassenen Konservioerungsmittel finden sich in Fischsalat, aber auch in Krabben, Lachs und anderen Fischerzeugnissen. Nicht nur Katzen lieben Fisch...

 

Die Liste der Lebensmittel, die Ihr Hund nicht fressen sollte, ist hiermit keineswegs vollständig.

 

Bitte informieren Sie sich auch bei Ihrem Tierarzt über die Lebensmittel, die für Ihr Tier gefährlich sein können!

Ursula Bülte